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MIT GERTY NUSS ENDLICH

STIGMA­FREI

LEBEN.

STIGMA­TISIERUNG & ABHÄNGIGKEIT

Alkoholprobleme sind vor allem dort stigmatisiert, wo besondere Momente mit Alkoholtrinken verbunden, wo Geselligkeit und Zugehörigkeit über Drogenkonsum definiert wird. Betrachten wir unsere Bildsprache und Lebensräume aufmerksam, sehen wir, wie stark Alkohol als gesellschaftlich verbindendes Symbol unter uns fest verankert ist. Animierte Sektgläser mit Herzchen sind beispielsweise gleichbedeutend mit Liebe und Hochzeit. Der Deutsche Werberat propagiert 2025 noch immer, dass die meisten unter uns Alkohol verantwortungsbewusst konsumieren, ohne sich selbst oder anderen zu schaden während längstens bekannt ist, dass die Alkoholindustrie ihren Umsatz überwiegend mit Menschen erzielt, die unter einer Abhängigkeitserkrankung leiden. Das Stigma der Alkoholabhängigkeit ist in Deutschland deshalb so groß, weil nahezu jede menschliche Geselligkeit mit einem verherrlichenden Alkohol-Narrativen positiv belegt ist. Die normative Kultivierung von Alkohol als harmloses und stilvolles Getränk, beschämt jede Person, die im Umgang mit diesem Zellgift Probleme entwickelt und sorgt dafür, dass Individuen mit iher vermeintlichen Verantwortungslosigkeit isoliert, leugnend oder schweigend immer tiefer unter uns unbemerkt in eine Abhängigkeit geraten und sich selbst allein dafür die Schuld geben. Die Verantwortung, dass das Zellgift als schädlichstes Suchtmittel weltweit mehr Krankheiten und Todesfälle als alle anderen Drogen verursacht, müssen aufgrund unserer unzureichenden Gesetzeslage in Deutschland bislang leider nur Betroffene, ihre Familien und das soziale Umfeld tragen. 

STIGMA­TISIERUNG IN DER GESELLSCHAFT

Entsteht oft durch stereotype Vorstellungen und Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen oder Verhaltensweisen. Bei Alkoholabhängigkeit haben wir zitternde Hände oder ungepflegte Menschen im Kopf. Stigmatisierung kann sich auch durch fehlendes Wissen oder Missverständnisse über Alkoholabhängigkeit und ihre Ursachen entwickeln. Sie kommt schleichend und unbemerkt im kultiviertesten Haushalt vor. Diejenigen, die betroffen sind, sind keine "schwächeren" Menschen als Du oder ich. 

Unter­brechen der Stigma­tisierung

Jede Alkoholerkrankung beginnt mit kultiviertem Trinken. Irgendwann können wir durch regelmäßigen und riskanten Alkoholkonsum in ein problematisches Trinkverhalten „abrutschen“ und eine emotionale bzw. psychische Abhängigkeit entwickeln. In dieser Phase greift Stigmatisierung am stärksten. Denn kein Mensch möchte vom „kultivierten Trinken“ ausgeschlossen sich das STIGMA „Alki“ anheften, was bei vielen Menschen als Charakterschwäche oder mangelnde Willenskraft gewertet wird. Und keine:r möchte durch ein abstinentes Leben nicht mehr dazu gehören. 

Deshalb ist es so wichtig, frühzeitig im Alltag ohne Alkohol Stressbewältigung zu lernen, kulturelle Veranstaltungen mit einem vielfältigen alkoholfreien Angebot zu bestücken und nicht über Alkoholprobleme zu schweigen oder stigmatisierend zu sprechen. 

Die Frage "Warum trinkst Du nicht?" Sollte sich gar nicht mehr stellen bzw. "Trinken" in WIR-Momenten nicht mehr mit Alkohol synonym verwendet werden. 

Stigmatisierung anderer Personen

Setze Dich bewusst mit eigenen Voruteilen gegenüber „Alkoholiker:innen“ auseinander.

Höre aktiv zu, wenn andere über ihre Erfahrungen mit Alkohol sprechen.

Vermeide verherrlichende oder verharmlosende Äußerungen über Alkohol und negativ bewertende Kommentare über Menschen mit Alkoholproblemen.

Selbststigmatisierung

Erkenne negative Selbstbilder und Gedanken über Dich selbst. Halte inne, wenn Du Dir alleine wegen Stress oder Problemen einen Alkoholmoment gönnen möchtest. 

Hör Dir selbst und Deinen Gedanken zu, wenn Du trinkst, obwohl Du nicht trinken wolltest. Verurteile Dich nicht, aber verharmlose den Einfluss, den Alkohol auf Dich hat auch nicht. 

Das beste Mittel gegen Alkoholprobleme ist sich das schwer kontrollierbare Verlangen nach Alkohol ehrlich einzugestehen und offen darüber zu sprechen.

DAS PROGRESSIVE MODELL DER SELBST­STIGMA­TISIERUNG
Schomerus et al. (2011a)

1.

Mir wurden die negativen Stereotype bewusst, die gegenüber meiner Mutter von anderen vertreten wurden.

„Deine Mama ist ein schwacher Mensch. Ihr sind Alkohol und Männer wichtiger als die eigene Tochter.“

3.

Ich wurde selbst eine alkoholabhängige Mutter & übertrug die negativen Stereotype auf mich.

„Du hast es nicht mehr im Griff. Sie hatte Recht, Du bist nicht so gut und stark wie Du denkst.“

2.

Ich stimmte den Stereotypen über alkoholkranke Mütter zu, da sie in meinem sozialen Umfeld vorherrschten.

„Meine Mama ist nicht stark genug, keinen Alkohol zu trinken. Ich bin es ihr nicht wert.“

4.

Ich verlor meinen Selbstwert und mein Selbstvertrauen aufgrund negativer Überzeugungen über alkoholkranke Mütter.

„Du bist genauso schwach und manipulierbar und eine ebenso miserable Mutter.“

1.

Mir wurden die negativen Stereotype bewusst, die gegenüber meiner Mutter von anderen vertreten wurden.

„Deine Mama ist ein schwacher Mensch. Ihr sind Alkohol und Männer wichtiger als die eigene Tochter.“

2.

Ich stimmte den Stereotypen über alkoholkranke Mütter zu, da sie in meinem sozialen Umfeld vorherrschten.

„Meine Mama ist nicht stark genug, keinen Alkohol zu trinken. Ich bin es ihr nicht wert.“

3.

Ich wurde selbst eine alkoholabhängige Mutter & übertrug die negativen Stereotype auf mich.

„Du hast es nicht mehr im Griff. Sie hatte Recht, Du bist nicht so gut und stark wie Du denkst.“

4.

Ich verlor meinen Selbstwert und mein Selbstvertrauen aufgrund negativer Überzeugungen über alkoholkranke Mütter.

„Du bist genauso schwach und manipulierbar und eine ebenso miserable Mutter.“

„Der Umgang mit Stigmatisierung und Selbststigmatisierung bei gleichzeitiger Anerkennung persönlicher negativer Erfahrungen sollte Teil der Routineversorgung alkoholabhängiger Patienten werden.“

Prof. Dr. Georg Schomerus, Direktor der Klinik & Poliklinik für Psychiatrie & Psychotherapie Universitätsklinikum Leipzig

ALKOHOLFREI

mit Nathalie Stüben

MEINE ERSTEN 30 ALKOHOLFREIEN TAGE
schaffte ich mit Nathalie.

Sie erreichte mich genau zum richtigen Zeitpunkt mit ihrer eigenen persönlichen Geschichte. Nämlich als ich feststellte, dass mir kontrolliertes Trinken sehr schwer fällt. Erst als mich ihre und die Geschichten vieler anderer Menschen mit Alkoholproblemen erreichten, fühlte ich mich weniger wertlos und schwach.

INSIDE - OUT

Eigentlich ist das Phänomen relativ simpel. Da kaum ein Mensch offen und ehrlich über seinen oder ihren wahrhaftigen Alkoholkonsum spricht, bleibt das Mysterium „unter uns“ aufrecht erhalten, dass WIR Alkohol und unser Trinkverhalten total im Griff haben und nur die Wenigsten, „sich nicht mehr im Griff haben“.

Da Alkohol unsere Gesellschaft als süchtig machende Volksdroge im Griff hat, möchten wir sie mit kulturstiftenden Traditionen schützen, und stellen lieber die Menschen als Negativbeispiele heraus, die nicht mehr mitmachen wollen oder können.

Eine interaktive Übung für ein besseres Verständnis von Ausgrenzung und Stigmatisierung aus Sicht von Betroffenen findet ihr hier...

STIGMATI­SIERUNG

hat Gerti und mir viele Lebensjahre genommen.

Auf dem interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin sprach ich 2024 in München über Stigma und Selbststigmatisierung in meiner über Generationen suchtbelasteten Familie. 

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